Ein großer Topf auf dem Herd, dahinter weiße Fliesen und ein paar Pfannen hängen an der Wand.

Der Japaner

Nagitora, Soi Sukhumvit 22, Bangkok. Geöffnet von 19 bis 3 Uhr.
Ich habe mich in ein Restaurant verliebt.

Man sitzt an einer langen Theke, und die steht mitten in der Küche. Links die Abzugshaube, rechts die Klimaanlage. Dazwischen die Gäste. Hier drinnen steht keine Luft, sie ist immer unterwegs, von rechts nach links, über die Teller hinweg und raus. Man darf rauchen. In der Küche. Und kein Nichtraucher wird gestört, weil der Rauch gar nicht erst die Chance bekommt, irgendwo anzukommen. Die Klimaanlage bläst ihn direkt in die Haube. Ein Lüftungskonzept, das in Deutschland drei Gutachten bräuchte und hier einfach funktioniert.

Man trinkt Lemon Sour, das ist Shochu mit Soda und Zitrone, der Longdrink der japanischen Kneipe. Hier kommt noch ein Schuss Zitronensirup dazu, das macht ihn limonadiger, und man schmeckt keinen Alkohol. Dazu bestellt man Spieße. Wieso Spieße? Weil die Karte bis auf ein Steak, ein bisschen Sushi und frittierte Rochenfinnen nur aus Spießen besteht. Hühnerleber, Schweinebauch, Rinderzwerchfell, alles auf Holz, alles über der Glut, einen Meter vor meiner Nase. Gegrillt von einem Team der liebsten Thai-Köche, die man sich vorstellen kann. Der Inhaber ist Japaner, und wenn er nicht da ist, schaut er über die Kamera nach, was in seiner Küche los ist.

Der Laden ist ein reines Nachtlokal. Um 19 Uhr geht das Licht an, um drei geht es aus, auf dem Papier. Hier bleibt man gern mal bis vier Uhr morgens sitzen, und niemand zieht einem den Stuhl unterm Hintern weg. Das Internet läuft über Glasfaser und ist besser als in jedem Hotel, in dem ich in Bangkok geschlafen habe. Ich habe an dieser Theke mehr gearbeitet als in manchem Hotelzimmer, mit Zigarette und dem n-ten Lemon Sour, während vor mir der Grill knisterte.

Vom Shochu kann man auch gleich eine Flasche kaufen. Sie bekommt ein Polaroid umgehängt und einen Platz im Regal, und beim nächsten Besuch kauft man sie frei und trinkt weiter. Wir haben neulich an drei Abenden vier Flaschen gebraucht. Die vierte steht im Regal. »Ich habe noch eine Flasche in Bangkok« klingt nach einer guten Verabredung. Ich muss bald mal wieder hin.

Es ist kurz vor drei. Der Koch links von mir legt zwei Spieße nach, die ich nicht bestellt habe, und nickt mir zu.