Eine brennende Grubenlampe mit Drahtkorb hängt im Dunkeln vor einer Felswand.

Verbindlichkeit.

»Was ich an dir schätze, ist, dass du so verbindlich bist.« Das hat eine Freundin vor einigen Jahren zu mir gesagt, und ich habe genickt und nichts verstanden.

Verbindlich. Das Wort klang nach Amt. Verbindliche Anmeldung, verbindliches Angebot, bitte bis zum 15. zurücksenden. Ein Wort für Formulare, nicht für Freundschaften. Ich hätte lieber zuverlässig gehört, oder pünktlich, irgendwas, womit man etwas anfangen kann.

Dann passierte das Leben, und heute weiß ich, was sie meinte.

Verbindlich heißt: Wenn ich etwas ankündige, dann passiert das auch, so wie angekündigt. Nicht ungefähr, nicht später, nicht in einer abgespeckten Version mit einer guten Geschichte dazu. Ich verschlafe nicht. Ich habe keinen Getränkeunfall, der mich eine Stunde zu spät nach Alkohol stinkend in den Termin bringt. Wenn ich sage, Dienstag zehn Uhr, dann sitze ich Dienstag um zehn da, und zwar nüchtern und mit dem, was ich versprochen habe.

Das ist nicht viel. Es ist aber genau das, was den meisten Menschen am meisten fehlt, wenn sie von anderen enttäuscht werden. Niemand ist sauer, weil ein Job zwei Tage länger gedauert hat. Alle sind sauer, weil es hieß, er sei Freitag fertig, und am Freitag kam nichts, nicht mal eine Nachricht.

Das Wort hat sich seither umgedreht. Aus dem Amtsdeutsch ist ein Maßstab geworden, an dem ich andere messe, und zwar vor allem geschäftlich. Wie soll ich mit jemandem arbeiten, der es nicht ist?