42.
Eine KI antwortet immer. Das ist ihr ganzer Zweck. Du gibst etwas ein, sie gibt etwas aus – notfalls auf eine Frage, die du gar nicht gestellt hast. Die Consumer-Modelle hängen ans Ende noch eine freundliche Rückfrage, damit du gleich weitertippst. Das ist Design: Die Schleife soll dich halten.
Heißt: Eine Antwort kriegst du sowieso. Die Frage ist, ob es deine ist.
Douglas Adams hat das vor fast fünfzig Jahren vorweggenommen. In »Per Anhalter durch die Galaxis« baut eine hyperintelligente Spezies den Supercomputer Deep Thought, der die Antwort auf die große Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest berechnen soll. Deep Thought rechnet siebeneinhalb Millionen Jahre und liefert: 42. Eine korrekte Antwort, daran lässt der Computer keinen Zweifel. Das Problem sei nur, erklärt er den entgeisterten Nachfahren der Auftraggeber, dass nie jemand die Frage präzise gestellt habe. Und die Pointe danach wird gern vergessen: Um die eigentliche Frage zu finden, muss ein noch größerer Computer gebaut werden – die Erde, mit uns als Teil des Programms. Die Antwortmaschine war fertig. Gefehlt hat die Fragenmaschine. Das sind wir, bis heute.
Der König im Kleinen Prinzen wusste es eine Nummer kleiner. Er sitzt allein auf seinem winzigen Planeten und herrscht über alles, weil er nur befiehlt, was ohnehin geschieht. Den Sonnenuntergang ordnet er gern an – aber erst, wenn die Bedingungen günstig sind, so gegen zwanzig vor acht. Man kann darüber lachen. Oder man erkennt das Prinzip: Seine Autorität besteht darin, die Lage zu lesen, bevor er den Mund aufmacht. Wer die Lage liest, gibt die richtigen Befehle.
In meinen Workshops fange ich oft mit einem Satz an: Wenn die KI nicht macht, was ich will, ist es meine Schuld.
Da geht regelmäßig ein Raunen durch den Raum, weil der Satz die Schuldfrage umdreht. Das Modell ist doch das Produkt, es soll doch liefern. Tut es ja auch – es liefert präzise auf das, was dasteht. Das alte »Bullshit in, Bullshit out« greift dabei sogar zu kurz: Eine vage Frage produziert etwas viel Tückischeres als Müll. Sie produziert Durchschnitt. Den Mittelwert aus allem, was zum Thema je geschrieben wurde, höflich formuliert und an niemanden gerichtet. Wer vage fragt, bekommt den Durchschnitt des Internets – klingt nach Antwort, ist aber Rauschen mit guten Manieren.
Klingt hart, der Satz mit der Schuld. Ist aber die gute Nachricht. Was an mir liegt, kann ich ändern. Was ich will, wie das Ergebnis aussehen soll, was es auf keinen Fall sein darf, in welcher Reihenfolge gedacht werden soll – all das kann ich hinschreiben, statt es nur zu meinen. Deep Thought hätte für eine sauber gestellte Frage keine siebeneinhalb Millionen Jahre gebraucht. Wir brauchen meistens nur zwei Minuten mehr, als wir uns nehmen.
Die Maschine liefert die Antwort. Die Frage musst du können.