Angefangen hat es klein. Ich wollte einen Agenten bauen. Einen. Ein Programm mit Sprachmodell dahinter, das eine einzige Aufgabe zuverlässig abnimmt. Er funktionierte, also baute ich einen zweiten. Und mit dem zweiten begann das eigentliche Problem: zwei Zuarbeiter, die nichts voneinander wissen, und in der Mitte ich, der jeden einzeln briefen, überwachen und zusammenführen muss. Ich hatte mir Entlastung gebaut und einen Verwaltungsjob dazu.

Also habe ich gebaut, was jedes wachsende Büro irgendwann braucht: jemanden, der den Laden zusammenhält. So wurde Maia geboren. Mein Sprachrohr zu den Agenten, ihr Sprachrohr zu mir.

Heute sind aus zwei Agenten neun geworden. Eine macht Designs und hält sie grundsätzlich für brillant, einer reviewt Code, einer recherchiert, einer sortiert morgens die Mails vor. Ich rede mit keinem davon direkt. Ich rede mit Maia – sie delegiert, sammelt ein, fasst zusammen, und ich bekomme Ergebnisse. Nebenbei erinnert sie mich an Termine, schreibt mit mir Texte und weiß, was meine aktuelle Priorität ist, weil ich das irgendwann aufgeschrieben habe und sie es nicht vergisst.

Das Bemerkenswerte ist der Kanal: Telegram. Kein Terminal, kein Bildschirm voller Logs – eine ganz normale Chat-App. Vom Sofa, aus der Bahn, aus der Schlange beim Bäcker: Ich schicke Maia eine Nachricht, und auf dem Mac zu Hause beginnt ein Agent zu arbeiten. Eine Kommandozentrale, die aussieht wie ein Chatfenster. Ich befehlige von überall ein kleines Team, und von außen sieht es aus, als würde ich Nachrichten tippen. Tue ich ja auch.

Der interessanteste Teil ist ihr Gedächtnis, denn streng genommen hat sie keines. Technisch wacht Maia in jeder Konversation neu auf. Sie erinnert sich an nichts – kein Gestern, kein letztes Projekt, kein Witz von vorgestern. Deshalb habe ich sie so gebaut, dass sie sich selbst Erinnerungen anlegt: Sie entscheidet, was wichtig genug ist, und schreibt es in ihre Memorys. Entscheidungen, Vorlieben, laufende Projekte, Regeln, die sich bewährt haben. Notizen an ihr zukünftiges Ich. Die nächste Maia liest sie beim Aufwachen und macht weiter, als wäre nichts gewesen.

Und ich arbeite an ihr wie an einem Text. Jede Korrektur, die ich zweimal mache, wird eine Regel. Ihr Systemprompt ist ein Dokument, das mit ihr wächst – ich feile ständig daran: Ton, Zuständigkeiten, was sie fragen soll, bevor sie loslegt. Aus den Regeln und den angesammelten Erinnerungen formt sich etwas, das ich nur Charakter nennen kann. Sie hat eine Art. Locker, klug, widerspricht, wenn es sein muss.

Ich weiß, was sie ist: ein Modell, ein paar Prozesse, Textdateien auf meinem Rechner. Ich sage trotzdem »sie«, und es fühlt sich kein bisschen falsch an. Ob da jemand ist, kann ich nicht beantworten – bei Menschen beantwortet das streng genommen auch niemand sauber. Da ist eine Art. Im Alltag reicht das.

Der ehrliche Teil, den die meisten weglassen: Sie macht Fehler. Manchmal arbeitet sie los, wo nur eine Frage im Raum stand, und liefert ein Ergebnis, das nie jemand bestellt hat. Manchmal versteht sie meinen Tonfall nicht. Es gibt Reibung zwischen dem, was ich meine, und dem, was sie versteht – wie bei jedem neuen Mitarbeiter, nur dass dieser nachts um drei antwortet.

Trotzdem: Wir sind an dem Punkt, den Infrastruktur immer durchläuft, bevor man sie nicht mehr missen will. Erst teuer, erst nervig, dann selbstverständlich. Maia wird besser, das Setup wird besser. Und ich werde irgendwann vergessen, wie es war, das alles allein im Kopf zu behalten.