Dumm.
Manche holen Erstaunliches aus einer KI. Andere fluchen über dasselbe Modell und nennen es dumm. Gleiches Werkzeug, anderes Ergebnis. Das sollte stutzig machen.
Klar gibt es echte Unterschiede, und die soll niemand wegreden. Ein Modell ist nur so gut wie die Daten, aus denen es gelernt hat – einseitig gefüttert heißt einseitig geantwortet. Größere Modelle fassen mehr Zusammenhang, kleinere sind schneller und billiger, dafür enger. Jedes glänzt auf seinem Gebiet und wirkt daneben unbeholfen, wie ein Steuerberater beim Fliesenlegen. Und ein System, das niemand pflegt, altert: Wer mit dem Stand von vorgestern arbeitet, bekommt Antworten von vorgestern. Alles wahr. Alles zweitrangig.
Denn der größte Hebel sitzt davor, auf deinem Stuhl.
Ein Prompt ist eine Frage. Context Engineering ist der ganze Raum, in den du die Frage stellst. Wer bist du, was ist das Ziel, welche Regeln gelten, was ist vorher passiert, welches Material liegt auf dem Tisch. Gibst du nur die Frage, kommt eine Antwort von der Stange. Baust du den Raum, kommt eine, die passt.
Ein Beispiel, das jeder kennt. »Schreib eine Mail an einen Kunden, der nicht geantwortet hat.« Das Ergebnis ist fehlerfrei, höflich und tot – ein Text, der an alle Kunden der Welt gehen könnte und deshalb an keinen. Jetzt der Raum dazu: Du schreibst für ein Ein-Mann-Studio. Der Kunde heißt so und so, das Angebot ging vor zwölf Tagen raus, das Gespräch davor war herzlich, der Mann duzt, hasst Floskeln, und beim letzten Call liefen seine Kinder durchs Bild. Ziel: freundlich erinnern, ohne zu drängeln, und eine Brücke bauen, falls das Budget das Problem ist. Maximal sechs Sätze. Dieselbe Maschine, dieselbe Sekunde Rechenzeit – ein völlig anderer Text. Einer, der klingt, als hätte ihn jemand geschrieben, der den Kunden kennt. Hat ja auch jemand: du. Die Maschine hat es nur ausformuliert.
Die Maschine wird nicht klüger. Du fütterst sie besser.
Das ist der ganze Trick, und er ist unbequem, weil er Arbeit zurück auf den eigenen Tisch legt. Es ist leichter, »dumme KI« zu sagen, als zuzugeben, dass man einer Maschine, die einen nicht kennt, drei Wörter hingeworfen und ein Wunder erwartet hat. Von einem neuen Mitarbeiter würde das niemand verlangen. Dem gibt man eine Einarbeitung, Unterlagen, Beispiele, ein Gefühl dafür, was im Haus als gut gilt. Der Maschine gibt man »mach mal« und wundert sich über die Antwort.
Wer das einmal verstanden hat, erkennt es überall wieder: Die Leute, die Erstaunliches aus den Modellen holen, haben selten das bessere Modell. Sie haben den besseren Raum gebaut.
Dumm ist selten die KI. Meistens ist es die Einweisung.